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B i l d e r - u n t e r - s u c h e n   -   H i s t o r i s c h e r   K o n t e x t

Für die Exkursionen habe ich Bilder ausgewählt, die Szenarien des Bergparks interpretieren. Die Künstler
(Maler, Zeichner, Stecher, Lithografen, Fotografen) achten auf Personen, warten für die Momentaufnahme auf ein passendes Zusammenstehen, geben ihren Protagonisten vielleicht Regie-Anweisungen oder fügen sogar Personengruppen nachträglich ein.
In ihren Kompositionen kommt die Lan
dschaft zur Geltung und wird zugleich mit Leben erfüllt. Landschaft (der Bergpark) ist also nicht bloß eine Landschaft.

Historischen Kontext suche ich zuerst im Alltagsbezug. Ende des 19. Jahrhunderts ist der Spaziergang in der Wilhelmshöhe für alle Schichte angesagt. Aber eine Familie im Arbeiterhaushalt kann sich die Straßenbahnfahrt hoch zur Endstation unterhalb des Schlosses nicht leisten. Bereits der Fußweg von der Altstadt bis zur Wilhelmshöhe dauert eine Stunde. Da bleibt nicht viel Energie und Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang. Die Runde um das Bowlinggreen muss reichen.

Mit diesem, hier nur angedeuteten Alltagsbezug, verknüpfe ich einen zweiten Aspekt. Gibt es Hinweise auf einen dynastischen oder gesellschaftspolitischen Hintergrund, der vielleicht in Details einer Abbildung erkennbar wird, im Fehlen oder im Betonen von Bildelementen. Ein solches Element ist z. B. die Kutsche des Fürsten oder wenn ein Mann seiner ihn begleitenden Frau durch eine Zeigehandlung vorgibt, wo sie hinschauen soll. Um 1900 legen Ansichten auf Postkarten die Einschätzung nahe, dass die Kasseler gerne zum "Kaiser gucken" in den Park gehen. Bei genauem Betrachten der Bilder wird schnell klar, dass damit eine frühe Marketing-Strategie verbunden ist. Die Kaiserfamilie ist einmontiert. Solche Postkarten verkauften sich gut...

Mir geht es um einen Zugang zur Bildaussage, der sich mir durch den Zeit-Hintergrund und konkret über den Ist- und Planungsstand von Bauten und Anlagen erschließt. Diesen Kontext füllen aber erst die im Bild erfassten Personen mit Leben. Alltag, Mentalität, Gewohnheiten, Einstellungen und Haltungen drücken sich im Habitus einzelner Personen und der Figuration in Gruppen aus.
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Im historischen Kontext untersuchen

Momentaufnahme: Personengruppen fotografisch
erfassen - Wie sie im Bergpark das Aufsteigen der Großen Fontäne sehen, bestaunen und erleben wollen.

Das Foto zeigt eine Szene, die in den späten 1930er Jahren aufgenommen wurde. Es lohnt sich, beispielsweise die Gruppe im Vordergrund näher zu betrachten. In der Vergrößerung erkennen wir, dass es in dieser Zeit sich "gehörte" mit einem Mantel spazieren zu gehen. Und dagegen die Gruppen im Foto unten, Mäntel sind die Ausnahme. Legere, funktionale Kleidung drückt Lässigkeit und eine abgeklärte Haltung zum aufgesuchten Ort und zum Geschehen aus.
Mehr dazu in meinem Forschungsbericht zu
"Kassel geht spazieren. Das beginnt um 1800".

Auf die Begriffe Habitus und Figuration stütze ich mich ausdrücklich bereits hier, wenn ich das
Ausgangsfoto "Panorama von Wilhelmshöhe"

unter die Lupe nehme und weiter dann auf die Geschichte der Gartenkunst eingehe:
In meiner kurzen Darstellung der Idee hinter der
Parkgestaltung durch H. C. Jussow
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