Alle Scans: Postkartensammlung Jürgen Fischer
Doch in zahlreichen Bildern steckt auch der
schöne Schein. Wie Fotos aus der Zeit
um 1900 - 1930 zeigen, bestand die Altstadt
in mehreren Quartieren aus dicht gesetzten
Häuserreihen und Hinterhäusern - dringend
sanierungsbedürftig. Auch diese Zustände
sind auf Postkarten dokumentiert.
Fotos: Kettengasse; über den Dächern der Altstadt
Postkarten - Sammlung FS
Und wie ist der Wiederaufbau nach 1945 zu bewerten?
Zahlreiche sehr ansehnliche und nicht oder nur wenig zerstörte Häuser sind nach einer umstrittenen Stadtplanung abgerissen worden. Schöne Bürgerhäuser waren darunter, mit markanten Fassaden. Doch in einigen Quartieren ist durchaus wieder ein Altstadt-Flair zu finden, mit einem Neuaufbau-Programm, das wir mittlerweile anerkennend mit "Charme der Fünfziger Jahre" bezeichnen. Laubengang, gegliederte Fassaden mit Balkon und Erker, auffallende Giebel, aufeinander abgestimmte Fensterzeilen.
Einige dieser Häuserreihen sind in den letzten Jahren aufwändig restauriert worden: Die Schlagd, am Finkenherd, am Steinweg, im Graben, am Entenanger, der Pferdemarkt, die Freiheit.
Dieses Stadtbild der neuen Altstadt ist aber nur vage
im
kollektiven Gedächtnis verankert.
Weil solche (!) Bilder auf Instagram und Facebook fehlen?
Dann zeichnet das neue Kassel ein zweites Stadtbild
aus, das ganz besonders die Bezeichnung Charme
der Fünfziger Jahre
verdient. Dazu gehören zahlreiche
Anlagen
und Gebäude. Mehr dazu hier.
Das Foto rechts: Ecke Wildemannsgasse - Die Freiheit.,
2017 © FS - Die Gebäude wurden 1936 im Zuge der
Sanierung der
Altstadt
(Freiheiter Durchbruch) neu
errichtet. Nur
diese
haben die Bombardierung 1943
überstanden. Sie sind
2016 umsichtig restauriert worden.
Es lohnt sich, Kassels neue Altstadt zu erkunden.
In der
Obersten Gasse 24, an der Ecke zum Entenanger
steht dieses auffallende Gebäude.
Das Dr. Aschrott-Wohlfahrtshaus wurde 1955 in
Anlehnung an den Stil des Neuen Bauens aus den
1920er und 1930er Jahren
errichtet.
Elemente dieses
Baustils lassen sich
an der in den späten 1950er
Jahren errichteten
Häuser-Zeile
am Steinweg entdecken.
„Der 1927 verstorbene Landgerichtsdirektor
Dr. Paul Felix Aschrott, Sohn von Sigmund Aschrott,
vermachte der Stadt Kassel einen Teil seines Vermögens,
um damit ein Wohlfahrtshaus mit einer Volkslesehalle
nach amerikanischem Vorbild zu erbauen. Dies wurde
1955 realisiert. In dem Haus in der Obersten Gasse 24
befand sich zunächst die Zentralbibliothek. Heute ist dort
die Jugendbücherei der Stadtbibliothek zuhause.“
http://stadtbibliothek.kassel.de - Jugendbücherei
- Zum Nachblättern
Mit einem A4-Heft lade ich zu einer Stadterkundung "Alte und Neue Altstadt" ein.
Interessiert an Exemplaren des Heftes? E-Mail Anfrage an mich. Oder von mir ausgegeben bei einem Rundgang, circa 1,5 Stunden, Treffpunkt Aschrotthaus, Oberste Gasse/Entenanger.